... Kritische Pop-Theorie : Roger Behrens-Interview ("Testcard") im Beatpunk-Webzine.
(dank wie üblich an assiotsiationsklimbim: meine pop-intelligenz ist jetzt auch endgültig externalisiert. meine web 2.0 / Computationl Humanities-Intelligenz wird weitgehend von preoccupations abgedeckt. dazu, falls er mehr schreiben würde, agrypnia. der rest von "ich selbst" ist gerade nur noch dazwischen: zwischen den zeilen, zwischen den blogs.)
"Ein anderer Grund wäre vielleicht noch ganz kurz angesprochen: Mit der Abkehr von bestimmten theoretischen Inhalten und der Abkehr von der sozialistischen Utopie, um dieses unmodische Wort zu benutzen, hat es ja auch ein Verschiebung in den Analysemitteln gegeben. Der Popdiskurs wird ja eben nicht getragen durch Beschäftigung mit Marx, Adorno, Marcuse oder Benjamin, sondern Benjamin spielt ja nur eine Rolle, wenn man ihn eingemeinden kann in etwa poststrukturalistische Theorien, beziehungsweise wird er weitgehend depotenziert mit Versatzstücken von Foucault oder Deleuze. Damit meine ich nicht, dass etwa Foucault oder Deleuze prinzipiell schlecht oder verkehrt sind, sondern, dass durch diese poststrukturalistische Wende bei den letzten, die sich noch irgendwie theoretisch mit gesellschaftlichen Prozessen kritisch beschäftigen Fragestellungen weg gebrochen sind."
einerseits grundsympathisch. freut mich, dass das vertreten wird. andererseits fühlt es sich doch irgendwie irrelevant an. nicht so sehr weil es nicht stimmt, was er sagt, sondern es weil nicht wirkt. ich spüre jedenfalls nichts.
was heißen würde, dass es letztlich eben doch nicht stimmt. schwer zu sagen, wo genau und warum nicht. die fußnote mit dem musikprofil fordert natürlich das dumme, ununterdrückbare pop-geschmacksargument heraus, dass behrens im text mit recht angreift:
"Ich bin bei meinen Freunden als jemand bekannt, der einen sehr kruden Musikgeschmack hat, etwa beim Prog-Rock der Siebziger hängen geblieben ist, mit viel Synthiesounds, also Yes, frühe Genesis, King Crimson, Soft Machine, aber auch Herbie Hancock, Dexter Wenzel, Lonnie Liston Smith und so weiter. Ansonsten habe ich in den letzten Jahren angefangen, mich für Bossa Nova, Tom Jobim und Elis Regina etwa, zu begeistern."
was ich (fast) alles immer schon gehasst habe. mein musik-freund in den frühen 80ern, mit dem ich mich immer über habermas (er) versus luhmann (leihweise ich) gestritten habe, bei foucault gab es überschneidungen, hatte einen ähnlichen geschmack: minus YES, plus TELEVISION, minus Bossa Nova, plus Neil Young. hauptüberschneidungen waren naturgemäß dylan und talking heads.
(dank wie üblich an assiotsiationsklimbim: meine pop-intelligenz ist jetzt auch endgültig externalisiert. meine web 2.0 / Computationl Humanities-Intelligenz wird weitgehend von preoccupations abgedeckt. dazu, falls er mehr schreiben würde, agrypnia. der rest von "ich selbst" ist gerade nur noch dazwischen: zwischen den zeilen, zwischen den blogs.)
"Ein anderer Grund wäre vielleicht noch ganz kurz angesprochen: Mit der Abkehr von bestimmten theoretischen Inhalten und der Abkehr von der sozialistischen Utopie, um dieses unmodische Wort zu benutzen, hat es ja auch ein Verschiebung in den Analysemitteln gegeben. Der Popdiskurs wird ja eben nicht getragen durch Beschäftigung mit Marx, Adorno, Marcuse oder Benjamin, sondern Benjamin spielt ja nur eine Rolle, wenn man ihn eingemeinden kann in etwa poststrukturalistische Theorien, beziehungsweise wird er weitgehend depotenziert mit Versatzstücken von Foucault oder Deleuze. Damit meine ich nicht, dass etwa Foucault oder Deleuze prinzipiell schlecht oder verkehrt sind, sondern, dass durch diese poststrukturalistische Wende bei den letzten, die sich noch irgendwie theoretisch mit gesellschaftlichen Prozessen kritisch beschäftigen Fragestellungen weg gebrochen sind."
einerseits grundsympathisch. freut mich, dass das vertreten wird. andererseits fühlt es sich doch irgendwie irrelevant an. nicht so sehr weil es nicht stimmt, was er sagt, sondern es weil nicht wirkt. ich spüre jedenfalls nichts.
was heißen würde, dass es letztlich eben doch nicht stimmt. schwer zu sagen, wo genau und warum nicht. die fußnote mit dem musikprofil fordert natürlich das dumme, ununterdrückbare pop-geschmacksargument heraus, dass behrens im text mit recht angreift:
"Ich bin bei meinen Freunden als jemand bekannt, der einen sehr kruden Musikgeschmack hat, etwa beim Prog-Rock der Siebziger hängen geblieben ist, mit viel Synthiesounds, also Yes, frühe Genesis, King Crimson, Soft Machine, aber auch Herbie Hancock, Dexter Wenzel, Lonnie Liston Smith und so weiter. Ansonsten habe ich in den letzten Jahren angefangen, mich für Bossa Nova, Tom Jobim und Elis Regina etwa, zu begeistern."
was ich (fast) alles immer schon gehasst habe. mein musik-freund in den frühen 80ern, mit dem ich mich immer über habermas (er) versus luhmann (leihweise ich) gestritten habe, bei foucault gab es überschneidungen, hatte einen ähnlichen geschmack: minus YES, plus TELEVISION, minus Bossa Nova, plus Neil Young. hauptüberschneidungen waren naturgemäß dylan und talking heads.
jurijmlotman - am Freitag, 17. Februar 2006, 16:57 - Rubrik: aging of pop
assotsiationsklimbim meinte am 17. Feb, 17:32:
das behrens-buch hat auch den traurigen rekord, der schnellste verzweiflungsabbruch meiner jüngeren lesebiographie zu sein. das war mir alles viel zu verbiestert schlaumeierisch damals, ist auch alles im denkbar sprödesten hornbrillen-stil geschrieben. und verstanden habe ich auch fast gar nichts. dann wurde es auch noch so kalt, dass sogar die freiluftschachspieler zu hause blieben und das wars dann. aber ich habe mich selten so schlecht gefühlt, was einfach nicht lesen zu können, weil das grundansatzmäßig sich eben schon sehr richtig anfühlt. und auch eigentlich eine sehr bekannte haltung ist, dieses ihr-alle-blöd und ich angry-middle-aged-man. wäre das noch irgendwie nicht ganz so verstockt ernsthaft (und zugleich so heulerisch selbstgefällig-selbstmitleidig (im sinne von: das will gar nicht wirken, das freut sich, dass es der kapitalismus und poststrukturalismus so knechten)), sondern hätte auch nur irgendeinen funken von catchyness, aber, naja... vielleicht haben manche menschen doch recht, dass man es auch übertreiben kann mit der oberflächlichkeit beim umgang mit texten.