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jurij m. lotman (R.I.P.)
die grenzen des textes sind die grenzen der welt

 
... völlig altesunabhängig - als wäre im Netz j e d e r in ein Alter der Adoleszenz zurückversetzt, die aber frei von pubertären (eigentlich berechtigten) Besorgnissen ist, sie zumindest spontan --- überspringt."

hier geht es ja eigentlich um www-sex, aber man kann das schon verallgemeinern, denke ich.

... aber für den, der es nicht kennt, trotzdem saulustig.
die anderen bitte ich um entschuldigung.

titanick

(1) TITANICK ...
... kehrt zurück zur ganz, ganz alten Rechtschreybung
Sie habent eyn Eynsehen: Der Spiegel-Verlag und Springer kehren zurück zur alten Rechtschreybung. Doch TITANICK gehet noch eyn Schrittleyn weyter und schreybet ab dem heutiglichen Tage im würklich klassischen Teutsch. Bitte schnallet Ihro Gnaden sich an für den Witze, wou Neidhart zum Artzte kümmet und das Häsigline zur Frouwe saget, dies seye ja auch gar keyne Mohrrübe.

pflicht-link auf TITANICK, das ich das letzte mal anno dunnemals gelesen habe ... der blog ist tatsächlich gar nicht so schlecht.

(2) BUSH und KERRY singen THIS LAND IS YOUR LAND ...
... ja ich dachte auch erst, das man das nicht sehen/hören muss.
muss man aber doch. und durch den killbill-trailer vorab muss man auch noch durch.
erstklassige flash-ästhetik.

p.s.
apropos rechtschreibreform:

"Menschen sind im Stande, Fußballergebnisse aus vier Ligen auswendig zu können und Bassisten von unwichtigen Bands, sowie 24 verschiedene Programmiersprachen, die fast ausschließlich aus sinnlosen Silben bestehen, ohne dass ihnen der Schädel platzt, also kann man ihnen auch die paar Fremdwörter zumuten."

via tage-im-all

... diese - nicht erschrecken, spontaneitätskult-blogger! - seminararbeit in blog-form zum weltberühmten sofa-blog da ist schon bemerkenswert. bahnbrechend.

sofabeistelltisch

(schon der name: "sofabeistelltisch" )
eine völlig neue textform und argumentationsweise.
das hätte ich nicht gedacht, dass das gleich so gut werden kann.

erster eindruck vom inhalt: erkennbar intelligent. was es noch nicht ist: wissenschaft im strengen sinn. die würde jetzt da anfangen, bei der analytischen vertiefung des gefunden rahmens.

das interessante: die intelligenz der arbeit liegt zu einem hohen maß tatsächlich in der adaption der form. in der EVIDENZ. eigentlich also eine ästhetik des denkens/argumentierens. dasselbe als word-doc ist immer noch gut (ich habe auch die seriöse papier-version), aber nicht bewegend wie das hier. vielleicht ein novelty-effekt, obwohl ich das nicht glaube. eher eine stufe im entstehen einer neuen text-intelligenz (so wie die vielen buch-zeitalter ihre eigenen intelligenzen hatten).

und als potenziell kollaboratives work-in-progress kann ja die erforderliche analytische zuspitzung im dritten teil leicht noch erfolgen ... einstweilen sind klug gestellte fragen schon viel.

...
"weblogs. bücher. einkaufszettel. sind letztlich doch nur buchstaben. und buchstaben sind buchstaben. zeichen. leerzeichen. egal, wie sie entstehen. feder, tinte, schreibmaschine, antville, blogger, homepage, sms. was daraus wird, machen die leser. [...] und ist es nicht vollkommen irrelevant, wo ich etwas finde, das mich anspricht. und was das ist. das zu mir spricht. mit mir spricht?

es gibt einkaufszettel, die man ein leben lang aufhebt. und bücher, die man nach zwei sätzen wegwirft. oder verschenkt. weil es immer jemandem gibt, dem so etwas gefällt. der so etwas braucht. könnte das nicht so mit weblogs sein. so einfach? ohne jeden dissertationsanspruch?"

schöne bruchstücke aus einem merkwürdigen posting (hier),
das buchstaben-bewusstsein seltsam vermischt mit der blogkultur-typischen "sei du selbst"-authentizitätsrhetorik.

der ganze thread ist lesenswert (praschl-umfeld, natürlich).

ich würde natürlich sagen: gerade deshalb ist systematisieren und dissertationsanspruch richtig, weil nur buchstaben. weil eben nicht "nur". die frage eben: was ist das "was mit mir spricht"? (und was ist das in mir, das antwortet, mit buchstaben?)

        

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