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jurij m. lotman (R.I.P.)
die grenzen des textes sind die grenzen der welt

 
(#) "Plausibilisierung der individuellen Abweichung: Kunst
Erfassung einzelner Partikel von Weltkomplexität: Wissenschaft
Reaffirmierung der Teilhabe am Kollektiven: Unterhaltung
Welcher Satz wird gebraucht: Journalismus
Welcher Satz bin ich: Literatur" ...

wobei bei mir leider "Erfassung einzelner Partikel von Weltkomplexität" plus einem anteil "plausibilisierte individuelle Abweichung" herauskommt. was leider nirgends so richtig hilft.


(gut auch der rest über alltagssprache u.a.)

was ich mir ja doch sehr wünschen würde, merke ich gerade, wäre, mit überzeugung und energie diesen enormen neuen schreibraum mit auszuloten zu helfen. ich kann das ja nicht. nur eben mit halb melancholischen, halb depressiven randnotizen begleiten. keine kraft, keine zeit, keine lebensform, mit der das gehen würde. echt andere probleme. aber schade.

(#)
"you tube, my space, facebook
flickr, twitter, blogcharts
my style, your style, word.up.com

Man nimmt daran teil, um von der Veränderung erfasst zu werden, ohne sie verstehen oder erkennen zu können, um also praktisch zu ermitteln, was die semantischen Neubedingungen für einen selber und die eigene, speziell genau auf diese Aktualitätsfragen ausgerichtete Sicht auf das Schreiben bedeuten würden. Man nimmt am Gegenteil teil, setzt sich dem Widerspruch zur eigenen Idee von Autonomie und Antiidiosynkrasie aus, arbeitet sich durch die groteskesten Negationsdelirien gegen den direkt neben einem im abstrakten Blograum auch produzierten Kapitalschwachsinn hindurch, um – ja, es kickt, der Hass macht Spaß, das Nein, auch wenn es unaussprechlich bleibt, aus Höflichkeit, aus Rücksicht, bleibt doch der heftigste Motor für die Suche nach der, immer wieder im Unzugänglichen verlorenen Richtigkeit von Produktion: das große schöne NEIN des kleinen dicken Manns ADORNO."

Hans Dichand blogt. cool, irgendwie.

RSS-metablog von 17 litblog-schreibern, von denen ich nur Herbst kenne. was dann z.B. 15 einträge pro tag ergibt, jeweils als 1 zeile mit link wiedergegeben.

und da erscheint anfang 2008 ein literaturzeitschrifts-heft ("Spatien") zu "literarische weblogs", wieder mit Herbst.

insgesamt immer wieder erstaunlich, wie rührend und zugleich völlig vorbei die "literaten" auch und gerade im Web wirken. ich mag ja ihren enthusiasmus, und keineswegs sind alle dumm, aber sie sind doch sehr fremd. und eigentlich nie das gefühl, dass hier etwas dringliches zur sprache kommt. Herbsts maßlosen selbstversuch hier natürlich ausgenommen.

(#) gedanklich eher uninteressanter aber immerhin vorhandener aufsatz über "die Inszenierung literarischer Modernität im Internet" (goetz, pool, null, herbst, "popliteratur".), erschienen im buch von künzel/schöner über "autorinszenierungen. autorschaft und literarisches werk im kontext der medien".

aber für den forscher zur diaristischen literatur ist diese betriebs-anekdote festhaltenswert:

"Im Juli 2005 hat sich A.N. Herbst bei der Deutschen Bücherei Leipzig um Aufnahme seines Weblogs in die Liste für deren Digitalisierungsvorhaben beworben. Kurz vorher war die Neufassung des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek vermeldet worden, die zum Ziel hat, »den Sammelauftrag der Bibliothek auf die als Netzpublikationen veröffentlichten Medienwerke zu erweitern«. ... Antwortmail der Deutschen Bücherei:

»Nach den Informationen in Ihrer Mail beabsichtigen Sie, Ihre Website als Gesamtpublikation und das von Ihnen veröffentlichte Weblog Die Dschungel. Anderswelt anzumelden und zu übermitteln. Die auf Ihrer Website vorgehaltenen Daten geben vor allem Auskunft über Ihre Person und Ihre Aktivitäten. Das Weblog ist eine tagebuchartige Sammlung von persönlichen Notizen, Gedanken und Kommentaren. Bitte haben Sie Verständnis, daß wir unseren Sammelrichtlinien entsprechend diese Website und das Weblog nicht archivieren können.« (Anm.)

Anm.: Die Antwortmail ist gezeichnet mit »i. A. Petra Fischer«. http://albannikolaiherbst.twoday.net/20050729/ (1.10.2005).

http://www.serner.de/blogs/ri/

das ist sylvia egger (köln).
sehr schön: die literaturwissenschaftlichen 2.0 projekte mit delicious und LibraryThing. so etwas sollte ich für mich auch machen.

... der seinerseits zitiert: "Wenn man erzählt, erzählt man nicht von den Dingen und Perioden, in denen alles stillstand, wo alles Stagnation war, Lähmung, Apathie, in der ich mir Aktivität nicht mal vorstellen konnte. Die Erzählung kriegt, fälschlicherweise, auch noch da den Charakter von Aktivität, wo Apathie, Verzweiflung, Lähmung, Angst herrschten. [...] Und nur aktiv kannst du von Apathie überhaupt erzählen, denn als Apathischer kannst du nicht von Apathie erzählen, als Apathischer bist du nur apathisch." (Jörg SCHRÖDER, Siegfried)

dazu notiere ich für mich selbst, dass neuerdings Goetz Herbst liest. interessant in anbetracht der alten herbst/goetz-diskussion, die ich mal hier geführt hatte. und Herbst schreibt, dass ein Innsbrucker uni-projekt seine Dschungel erforscht. wieseo weiß ich da jetzt nichts davon? und kann man das ernstnehmen?

dieses blog könnte ja auch ein container sein für anderswo gemachte anmerkungen, die nur als "kommentar" entstehen können, aber eigentlich wichtiger als die haupteinträge sind. ich habe sonst eigentlich oft das gefühl, völlig leer zu sein und nichts zu wissen bzw. immer das selbe alte zeug umzuwälzen. es braucht conversation, call and response.

ich rette das also mal in meinen deutschsprachigen lifestream, so weit er um literatur /aging of pop / zeitgeistgeschichte kreist:

(#) "abschreiben ist gut, weil ... weil ich sehr viel abgeschrieben, d.h. exzerpiert habe, und weil das künstlich verlangsamt, was gut ist, und erlaubt dass man im rhythmus der abschrift mit- und weiterdenkt, was besser ist als zu denken ohne den zwang der abschrift. weil ich beim drüberlesen immer schon denke, ist eh nicht so wichtig. weil man, besser gesagt ich, auch erst durch abschreiben von schlüsselstellen ein wirklich intensives verhältnis zum abgeschriebenen bekommt, auch und gerade dann, wenn es auf den ersten blick nur gerade eben 'irgendwie signifikant' erschienen ist. hat etwas mittelaltermäßiges, diese übung. dass das wohl ausstirbt, bedauere ich eigentlich. obwohl, vielleicht machen es die leute künftig ja gerade drum.
...
zerfranst und schlampig bin ich selber. aber gerade da -- jedenfalls ich kann ja eigentlich nur dann denken, wenn ich andere bausteine prüfe, verändere, neu zusammensetze. und so eben auch literaturwissenschaft. auch ein grund, warum mein bloggen (und die blogosphäre selbst) immer am besten als meta-maschine funktioniert, mit dem bereits woanders von dir erwähnten spielgeld, was eben menschen (und deren positionen) sein können, wie "blumenau", "foucault" und so, aber auch metaphern, buzzwords, micro-stories, theorie-headlines, seltsame sich fsthakende zusammenstellungen von inkommensurablem, usw."
...



höre das John Foxx-video bei YouTube, das man leider nicht hier embedden darf. hier verlinkt wg. dem damals sekundenschnell improvisierten scribbleblog-banner.

gut, das ist ja eigentlich ein beitrag, den ich hier verlinken soll:

der audiovisuell getextete rechenschaftsbericht zu meiner abwesenheit von der blogospäre hier, weil ich ja in twitterhausen lebe seit ein paar monaten. "twitter machine" als wmv-video, 6:30 min und 15 oder so MB. (sorry.)

zugleich mein beitrag zur bloglesung mit Fm4-Blumenau in Hall in Tirol.
einerseits ist die form eigentlich viel besser als vorzulesen, anderererseits natürlich schade, dass ich nicht über Woody Guthrie, die Anthology of American Folkmusic und die Blogosphäre/Semiosphäre reden konnte.

        

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