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jurij m. lotman (R.I.P.)
die grenzen des textes sind die grenzen der welt

 
"Als Eva-Maria Dengg von der Abschlussstation bei Vogelmanns nach Hause möchte, wird sie kurzerhand in den Swimmingpool von Karin Heidegger geworfen." Aus der auch sonst empfehlenswerten Jahreschronik 2005 des Musikvereins von Lustenau. Kontext war hier.

... muss ich doch noch mal genau definieren. mir schien das immer selbsterklärend. lifestream-heimholung: "ganz ernsthafte nachfragen, die ich mir immer selber gestellt hatte: inwiefern ist tocotronic erfinder des deutschen studentischen-redestrom-pseudopop? inwiefern sind sie besser als die normalvertreter desselben, der mir regelmäßig auf eine unoffensive weise auf die nerven geht? ... interessante frage, was den ursprung des redestrom-pop angeht. ... vielleicht der spätere solo-begemann. und dann wohl blumfeld. ich selbst wäre ja auch ein kandidat für so etwas gewesen, aber wir hatten eher die idee, pop-schablonen zu benutzen, vielleicht ein bisschen wie Family 5. da habe ich fast alles, weil ich das konzept richtig und viele texte gut fand, obwohl sie musikalisch nie richtig funktioniert haben. immer irgendwie zu flach und zu schnell. in der theorie gut, in der praxis nicht so. für mich klingt der sound des hamburger redestrom-pop immer irgendwie wie der sehr sympathische Postcard-Pop (Orange Juice, Josef K., Jazzateers, weniger Aztec Camera in dem punkt), aber da war das ästhetische konzept doch irgendwie reizvoller. vor allem eigentlich, wenn ich mirs überlege, der charakter der stimmen: die hatten alle britische pop-stimmen, irgendwie exaltiert, nicht-natürlich. ... ja, fehlfarben waren wohl die ersten und beinah einzigen vertreter des sinnvollen deutschen spracheinsatzes. aber nie redestrom. die brillante hein-phase zu unterscheiden von der auch nicht schlechten schwebel-pop-phase ("glut & asche"). sonst ... "geisterfahrer" ("himmel auf erden") mochte ich, da habe ich platten. mit "abwärts" konnte ich nichts mit anfangen. DAF waren außer konkurrenz. es gab fast nichts deutsches, das ich irgendwie diskutabel fand, das weiß ich noch. damals habe ich mir auch die erste toten hosen-platte gekauft, weil sie deutsch war _und_ irgendwie funktionierte ... popschablonen: relativ kurze zeilen, eher schlagzeilenartig, die sich reimen. typisches schema a/b/a/b/bridge/a/b/b/. theatralisch, ohne das durchaus nicht unsympathische understatement des nebenher hingesprochenen&gesungenen." pop wird ja erst groß, wenn er peinlich wird, und dann eben das peinliche transzendiert.



"Eigentlich ein Zeichen des Alterns, wenn man sagt: Das waren unsere Platten, lieber Leser, liebe Leserin, erinnerst du dich an "ABC" 1982? Das tun ganz viele Texte, die sich als Pop-Literatur verstehen, Leute über Dreißig verständigen sich ... anhand von Bandnamen."

dessen rückkehr auch hier gepriesen sei.

verzeichnen möchte ich noch, dass die einzigen mir bekannten lieder in bayerischer sprache, die tatsächlich die größe des anonymen US-folk blues erreichen, ausgerechnet von Ringsgwandl sind, auf Staffabruck, mit bayrischem blues (horribile dictu) den er offenbar schon 1974 mit 20 oder so geschrieben hatte, über seine kindheit am rand von piding. darauf wieder vor allem die zwei großen songs "buale" und "hart sei", aber der rest ist auch recht gut. völlig einzigartig und mit anderem deutschem/bayerischem unvergleichbar.

ich habe die platte einmal aus versehen im radio gehört und längere zeit nicht herausgefunden, welche sprache das ist. es ist gar nicht der text, der stört nicht, sondern die extreme stimme, jaulend, nervend, blutig ernsthaft, groß. ausgerechnet Ringswandl, der mich ansonsten ästhetisch und humoristisch überhaupt nicht interessiert, dessen elternhaus, das wiederum thema von staffabruck ist, ungefähr einen kilometer vom ort meiner jugend wegliegt, schüler in geschichte und dixie-posaune bei meinem eigenen vater, mir aber nicht bekannt.

(randnotiz: vor kurzem sehr schlechten bayerischen blues der gruppe des alten carl ludwig reichert gehört, B2 DJ jetzt mit gutem musikgeschmack, der ganz früher die respektable band Sparifankal hatte, die ungefähr Woodstock-zeug machten, mit der durchaus richtigen attitüde, aber eben doch musikalisch nicht interessant. habe ich mal so 1978 in Simbach am Inn gehört, mini open air, lange staubmäntel, wüster fuzzbox-krach, das hatte was.)

sollte ich tatsächlich mal hören anstatt immer nur darüber zu lesen, wie hier, obwohl ich ja eigentlich zu so gut wie allen konkret-vitalen sachen über lesen gekommen bin. wirklich. einschließlich rock ("rororo rock-lexikon"), sex ("alex comfort"), punk usw. ("sounds"). selber singen auch erst nach text schreiben natürlich. primäre erst-erfahrungen insgesamt annähernd null.

dient dazu, die "radio blog" links aufzuheben, die ich gerade gefunden habe.
das gesamtwerk von dylan wird sukzessive hier gepostet.

die beiläufige recherche nach geisterfahrers Himmel auf Erden, das überraschender weise als klassiker zu gelten scheint, brachte mich über diese englische NDW-online-kompilation, wo das lied drauf ist, zum musik-blog dorfdisco braunfeld. dort kann man James Blood Ulmer's Are You Glad To Be in America herunterladen, was ich seit langem wieder haben wollte, und offenbar vieles vieles andere. (und der link zum NDW-kapitel aus "Rip It Up".)

(#) "Das bunte Rad des Todes drehte sich über dem klage.leer.doc-Pictogramm, das Word-Programm wurde gestartet, die Datei sprang auf, und die weiße leere Seite, die auf taubenblauem Grund abgebildet war, füllte sich von beiden Seiten, von oben und unten gleichzeitig, mit dem hier erscheinenden Text. Oben das Richtige, unten das Verworfene, und in der Mitte dazwischen der ruhig pulsierende Strich des Cursers, wo die gerade neu getippten Worte aus dem Nichts auftauchten. Leise raschelte dabei die Tastatur. Vor zwei Jahren ... Ich hatte mir ein Telefonverbot auferlegt, um innerlich besser zur Ruhe zu kommen. Mit Briefen versuchte ich mich in der Welt meiner Bezüge zu halten. Ich schrieb den Text der Niederschrift mit der Hand in große orangefarbene Hefte von Brunnen, anfangs zuversichtlich, aber bald war doch auch hier wieder unabweisbar die Bilanz: es wird auch diesmal nichts."

vgl. skywriting, neuer aggregatzustand der texte und wie da schreiben geht, schreiben denken als erstellen einer kettenreaktion von aussage-ereignissen.

ankündigung: "wenn ich zeit habe", schmarren, wenn ich selbstzerstörerisch stundenlang eigensinniges zeug tue statt sozial verwertbares hervorzubringen, werde ich dann also meine notizen zum alten projekt online stellen, in dem es darum geht, ausgehend von foucault und greil marcus die semiosphäre als eigendynamische kettenreaktion/feld/zirkulationsschleife von aussage-ereignissen zu beschreiben. also nicht als austausch von texten oder zeichen, nicht als herkömmliche konversation von menschen, auch nicht als geistiger austausch von gedanken und ideen. so, dass es nicht nur fürs web2.0, sondern auch für "die medien" insgesamt und letztlich eben fürs leben selbst gilt. im grunde sehr schlicht, aber mir ist es sehr lange einfach nicht gelungen, das von diesem pol aus aufzubauen. jetzt gings plötzlich. dass es dann trivial wirken oder sein könnte, muss akzeptiert werden.

        

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