Big Sinn, Rainald Goetz, on YouTube. aber seine Stimme klingt so merkwürdig jung, und ich war doch noch 7 jahre jünger damals. text-stimmen sollten eigentlich nicht so jung klingen, einerseits.
Die Klage dazu hier.
damals ein riesen-abstand zum punk-veteranen und einzig ernstzunehmendem generations-schriftsteller. heute klingt das so, wie damals die eigene viel zu junge, vielzu unsouveräne stimme in meinem kopf damals. hätte ich sein können, sozusagen, im rückblick. aging of pop.
Die Klage dazu hier.
damals ein riesen-abstand zum punk-veteranen und einzig ernstzunehmendem generations-schriftsteller. heute klingt das so, wie damals die eigene viel zu junge, vielzu unsouveräne stimme in meinem kopf damals. hätte ich sein können, sozusagen, im rückblick. aging of pop.
jurijmlotman - am Montag, 9. Juli 2007, 10:37 - Rubrik: neue deutsche literatur
camp catatonia, sehr schön über diesjähriges klagenfurt bzw. über literatur an und für sich. PeterLicht (den ich sehr wahrscheinlich nicht mögen würde) so charakterisierend, dass man den text, in unkenntnis seiner, dafür doch mag. das ist schon ein motiv für literatur:
"Das in Schleifen reproduzierte und immer weiter vertiefte Reden davon, dass es einem vielleicht doch schlecht geht, ohne dass aber Erkenntnis davon entstünde. Man kann von sich selbst wissen, dass es einem schlecht geht, man kann auch wissen, dass sich die Welt zerstört, und weiß es trotzdem alles nicht. ... Das ist eine Erzählung, und sie trifft mehr von der Welt, in der ich lebe, als viele andere.
"Das in Schleifen reproduzierte und immer weiter vertiefte Reden davon, dass es einem vielleicht doch schlecht geht, ohne dass aber Erkenntnis davon entstünde. Man kann von sich selbst wissen, dass es einem schlecht geht, man kann auch wissen, dass sich die Welt zerstört, und weiß es trotzdem alles nicht. ... Das ist eine Erzählung, und sie trifft mehr von der Welt, in der ich lebe, als viele andere.
jurijmlotman - am Freitag, 6. Juli 2007, 11:53 - Rubrik: neue deutsche literatur
Isolde Charim in der taz über Bachmann, aus rede in Klagenfurt, mit dank an itc.alex. stimmt schon, bleibt aber irgendwo in der etwas zu selbstgefälligen reflexion auf einem korrekten oberseminargedanken hängen. das sollte schon noch irgendwie weitergedacht werden können.
"Damit erhält der Roman einen Tagebuchcharakter. Das Tagebuch aber suggeriert, "dass es die Figur Ich nicht zu erschaffen braucht", weil sie vorhanden ist - eine trügerische Vorstellung. Bachmann selbst legt in ihrer Poetikvorlesung dar, dass jedes Ich im Text konstruiert ist - selbst dort, wo es biografisch ist. Ja, gerade dort. Ein unproblematisches Ich im Text sieht sie nur in Memoiren von historischen Personen gegeben: bei Politikern, Staatsmännern oder Militärs. Diese Art von Text-Ich sei mit dem Autor identisch und insofern "naiv" - eine selbstverständliche, unhinterfragte Identität von Autor und Text-Ich.
Bachmann erläutert nicht die Ursache, aber man kann annehmen, Handelnde, Politiker haben ein selbstverständliches Ich im Text, weil sich ihre Identität anderswo konstituiert. Ihr Handeln findet also jenseits des Textes statt - im Unterschied zum Schriftsteller. Dieser handelt demnach im Text. Er konstituiert sich als solcher ebendort.
Das ist aber eine knifflige Angelegenheit. Ist der Text nun das Medium der symbolischen Konstitution des Autors oder des Text-Ichs? Die Antwort lautet: Beide entstehen dort und sind doch nicht identisch (wie beim Politiker). Man muss vielmehr sagen, der Autor entsteht gerade daraus, dass er nicht das Subjekt im Text ist, dass er eben nicht Inhalt seiner Erzählung ist."
"Damit erhält der Roman einen Tagebuchcharakter. Das Tagebuch aber suggeriert, "dass es die Figur Ich nicht zu erschaffen braucht", weil sie vorhanden ist - eine trügerische Vorstellung. Bachmann selbst legt in ihrer Poetikvorlesung dar, dass jedes Ich im Text konstruiert ist - selbst dort, wo es biografisch ist. Ja, gerade dort. Ein unproblematisches Ich im Text sieht sie nur in Memoiren von historischen Personen gegeben: bei Politikern, Staatsmännern oder Militärs. Diese Art von Text-Ich sei mit dem Autor identisch und insofern "naiv" - eine selbstverständliche, unhinterfragte Identität von Autor und Text-Ich.
Bachmann erläutert nicht die Ursache, aber man kann annehmen, Handelnde, Politiker haben ein selbstverständliches Ich im Text, weil sich ihre Identität anderswo konstituiert. Ihr Handeln findet also jenseits des Textes statt - im Unterschied zum Schriftsteller. Dieser handelt demnach im Text. Er konstituiert sich als solcher ebendort.
Das ist aber eine knifflige Angelegenheit. Ist der Text nun das Medium der symbolischen Konstitution des Autors oder des Text-Ichs? Die Antwort lautet: Beide entstehen dort und sind doch nicht identisch (wie beim Politiker). Man muss vielmehr sagen, der Autor entsteht gerade daraus, dass er nicht das Subjekt im Text ist, dass er eben nicht Inhalt seiner Erzählung ist."
jurijmlotman - am Freitag, 6. Juli 2007, 11:40 - Rubrik: goetzblog
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erstaunt, wie sehr Handkes "diaristische notizen" für mich durch die stimme gewinnen, oder überhaupt erst als projekt unmittelbar verständlich sind. wobei diese große stimme eben erst aus text neu gewonnen wird. aus text, der die realwelt des dauernd weltreisenden zum anlaß für notizen benutzt, die würdevolle augenblicke festhalten, oder eher, sie immer aus irgendwelchem material erst herstellen, für die textwelt, nicht für die reale körperwelt.
wiederholbarkeit und objektivierung: dass die stimme selbst dadurch, dass ich die stelle nochmal hören kann, texthaft ist, und trotzdem ganz anders. was wäre, wenn die nicht gespeicherte stimme stattdessen immer sofort spurlos verhallen würde. (wie bei autorenlesungen? aber dort habe ich solche stimm-epiphanien eigentlich fast nie gehabt, d.h. ein wenig vielleicht bei rosei, und das waren ja auch "reisenotizen".)
(wie der seltsame effekt damals bei dem halbstündigen zapping-videoband: dieselben fetzen nochmals sehen, und feststellen, wie sehr jedes sinnlose detail als text gespeichert ist, irgendsoein schwimmwettbewerb, oder die namenlose US-serie in der irgendwelche frauen am lagerfeuer über eheprobleme sprachen.)
dass ich eigentlich einen größeren goetz'schen notizen-text, der so handkisch verfremdet und abstrahierend auf die zivilisatorisch-medialen mikro-ereignisse reagiert, momente von text-würde daraus gewinnt, sehr gern lesen würde. in den besten momenten von "Klage" ist das ja so.
wiederholbarkeit und objektivierung: dass die stimme selbst dadurch, dass ich die stelle nochmal hören kann, texthaft ist, und trotzdem ganz anders. was wäre, wenn die nicht gespeicherte stimme stattdessen immer sofort spurlos verhallen würde. (wie bei autorenlesungen? aber dort habe ich solche stimm-epiphanien eigentlich fast nie gehabt, d.h. ein wenig vielleicht bei rosei, und das waren ja auch "reisenotizen".)
(wie der seltsame effekt damals bei dem halbstündigen zapping-videoband: dieselben fetzen nochmals sehen, und feststellen, wie sehr jedes sinnlose detail als text gespeichert ist, irgendsoein schwimmwettbewerb, oder die namenlose US-serie in der irgendwelche frauen am lagerfeuer über eheprobleme sprachen.)
dass ich eigentlich einen größeren goetz'schen notizen-text, der so handkisch verfremdet und abstrahierend auf die zivilisatorisch-medialen mikro-ereignisse reagiert, momente von text-würde daraus gewinnt, sehr gern lesen würde. in den besten momenten von "Klage" ist das ja so.
jurijmlotman - am Freitag, 6. Juli 2007, 11:27 - Rubrik: goetzblog
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auch weil ich gerade Handkes gelesene "Gestern unterwegs"-Notizen 2 stunden lang im auto gehört habe:
"Auf der Suche nach einer nichtlächerlichen Autorposition hatte Lt. Kyritz zuletzt bei Strauß und Handke haltgemacht. Nichts war unsympathisch gewesen ursprünglich an deren Idee der radikalen künstlerischen Existenz. Im Geist der Schrift aufzugehen und als Körper aus der Realwelt zu verschwinden: solange das eine Sehnsucht ist, kann es den kunstadäquaten Fundamentalismus der Schöpfung mit produktiven, hysterisch abstrakten Energien versorgen und vitalisieren.
wie lange aber kann ein Mensch
in einer solchen Extremposition überleben?
... zu viel Solipsismus, der durch Überpräsenz des Körperlichen, Sexuellen, Kollegialen und Betrieblichen sehr verständlicherweise ursprünglich getriggert worden sein konnte, führte die Autoren später, so auch Handke und Strauß, immer tiefer in die falschen Wälder des Rückzugs, die Stille der Natur, das Reden mit Pilzen und Bäumen. Das ist schlecht. Es gefährdet die Literatur von innen her auch, wenn das reale Kontaktmedium mit anderen Menschen, die Sprache als Instrument komplizierter Dispute und Auseinandersetzungen, zu wenig alltäglich zum Einsatz kommt. "
Nein und Ja. Schwierig. So wenig ich diesen Rückzugs-Konservatismus gutheiße, so scheinen doch bei beiden, Handke & Strauß, die diaristischen Text-Engines wesentlich differenzierter als die dazu geäußerte Ideologie. Wie also kann man statt bzw. zusätzlich zu "poetischen Eindrücken" andere Splitter der Außenwelt, gerade der medialen und supermodernen, in den Dienst nehmen, um die Kettenreaktion der Schreib-Ereignisse in Gang zu setzen & zu halten? Ohne dabei auch in diese geschmackvolle Blog-Ästhetik der Fotos aus der Alltagskultur zu verfallen, die mich irgendwann an anderer stelle unten in diesem Blog bei (guten) antville-Leuten gestört hatte?
"Auf der Suche nach einer nichtlächerlichen Autorposition hatte Lt. Kyritz zuletzt bei Strauß und Handke haltgemacht. Nichts war unsympathisch gewesen ursprünglich an deren Idee der radikalen künstlerischen Existenz. Im Geist der Schrift aufzugehen und als Körper aus der Realwelt zu verschwinden: solange das eine Sehnsucht ist, kann es den kunstadäquaten Fundamentalismus der Schöpfung mit produktiven, hysterisch abstrakten Energien versorgen und vitalisieren.
wie lange aber kann ein Mensch
in einer solchen Extremposition überleben?
... zu viel Solipsismus, der durch Überpräsenz des Körperlichen, Sexuellen, Kollegialen und Betrieblichen sehr verständlicherweise ursprünglich getriggert worden sein konnte, führte die Autoren später, so auch Handke und Strauß, immer tiefer in die falschen Wälder des Rückzugs, die Stille der Natur, das Reden mit Pilzen und Bäumen. Das ist schlecht. Es gefährdet die Literatur von innen her auch, wenn das reale Kontaktmedium mit anderen Menschen, die Sprache als Instrument komplizierter Dispute und Auseinandersetzungen, zu wenig alltäglich zum Einsatz kommt. "
Nein und Ja. Schwierig. So wenig ich diesen Rückzugs-Konservatismus gutheiße, so scheinen doch bei beiden, Handke & Strauß, die diaristischen Text-Engines wesentlich differenzierter als die dazu geäußerte Ideologie. Wie also kann man statt bzw. zusätzlich zu "poetischen Eindrücken" andere Splitter der Außenwelt, gerade der medialen und supermodernen, in den Dienst nehmen, um die Kettenreaktion der Schreib-Ereignisse in Gang zu setzen & zu halten? Ohne dabei auch in diese geschmackvolle Blog-Ästhetik der Fotos aus der Alltagskultur zu verfallen, die mich irgendwann an anderer stelle unten in diesem Blog bei (guten) antville-Leuten gestört hatte?
jurijmlotman - am Freitag, 6. Juli 2007, 11:18 - Rubrik: goetzblog
"Es war schwülheiß, der Himmel zugezogen, und ein Vater, 46, ging mit Tochter, 10, auf dem Gehweg dahin, ganz verstrickt ins Leben, das ihm sich zugelost hatte, halb zufällig, aber natürlich auch durch paar minimale eigene Entscheidungen mitgewählt."
"Schreiben, notierte ich, ist ja Rücknahme des Gesagten, Korrektur am Gedachten, Widerspruch zu sich selbst. Man kann fast sagen: das Gegenteil zum Reden im Gespräch" ...
"Dabei ließ sich gut verfolgen, wie das fluoreszierende Element zukünftiger Möglichkeiten in schnellen Zufallsbewegungen an der Kette der Gegenwartsmomente nach der genau passenden Bindungsstelle solange suchte, bis es die richtige Stelle gefunden hatte, dort haften blieb, dadurch die von da abzweigenden Entscheidungen auslöste und so mit ihr die Folgekaskade der davon bedingten kommenden Lebensfolgen."
"Schreiben, notierte ich, ist ja Rücknahme des Gesagten, Korrektur am Gedachten, Widerspruch zu sich selbst. Man kann fast sagen: das Gegenteil zum Reden im Gespräch" ...
"Dabei ließ sich gut verfolgen, wie das fluoreszierende Element zukünftiger Möglichkeiten in schnellen Zufallsbewegungen an der Kette der Gegenwartsmomente nach der genau passenden Bindungsstelle solange suchte, bis es die richtige Stelle gefunden hatte, dort haften blieb, dadurch die von da abzweigenden Entscheidungen auslöste und so mit ihr die Folgekaskade der davon bedingten kommenden Lebensfolgen."
jurijmlotman - am Montag, 25. Juni 2007, 16:07 - Rubrik: goetzblog
... (deutsch blogge ich im moment ja nur, wenn ich goetz lese. das hier ist ja zuständig für: literatur und aging-of-pop, und goetz ist beides, und zugleich repräsentant meiner diesbezüglichen seiten. englisch blogge ich auch nicht. nur twitter, und eigentlich möchte ich jetzt endlich das fällige buch über die media-welt und die media-identität und den media-bedeutungsraum im Web 2.0-kontext schreiben. ich habe allmählich das gefühl, dass es ginge, gedanklich und schriftstellerisch.)
"Seltsam ist es immer wieder, wenn man es erlebt: die Jungheit und Neuheit jedes mitgeteilten Gedanken, auch des ältesten, wenn er nur auch wirklich gerade neu nocheinmal neu gedacht wird. ... Warum Denken lächeln macht, Traktat. ... Die Videoblogs sind eine echte Revolution. Die Leute stellen sich in einer Direktheit und Nacktheit vor einen hin, dass man erschrickt und staunt, man befindet sich ja etwa nur 20 Zentimeter weit weg von ihnen. Dagegen war Fernsehen, die alte Nacktmaschine, ein Medium höflichster Diskretion. Das Internet hat in seiner Vertrashtheit beides radikalisiert: die Bilder und die Schrift. Die Schrift will denken, die Bilder physische Präsenz vorweisen. "
"Seltsam ist es immer wieder, wenn man es erlebt: die Jungheit und Neuheit jedes mitgeteilten Gedanken, auch des ältesten, wenn er nur auch wirklich gerade neu nocheinmal neu gedacht wird. ... Warum Denken lächeln macht, Traktat. ... Die Videoblogs sind eine echte Revolution. Die Leute stellen sich in einer Direktheit und Nacktheit vor einen hin, dass man erschrickt und staunt, man befindet sich ja etwa nur 20 Zentimeter weit weg von ihnen. Dagegen war Fernsehen, die alte Nacktmaschine, ein Medium höflichster Diskretion. Das Internet hat in seiner Vertrashtheit beides radikalisiert: die Bilder und die Schrift. Die Schrift will denken, die Bilder physische Präsenz vorweisen. "
jurijmlotman - am Donnerstag, 7. Juni 2007, 22:55 - Rubrik: goetzblog
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Ein Versuch mit den "wirklich gesagten Dingen", die an sich erst jetzt sichtbar werden, abgelöst vom sprechenden Körper *und* abgelöst vom glatten weißen Papier in einem eigenartigen neuen Raum.
Abstrakter und "geschriebener" als das körperlich Gesagte. Und gesagter/körperhafter/hier&jetztiger als der papier-geschriebene text.
Foucault musste ja noch den gesprochenen Worten und den geschriebenen Sätzen Gewalt antun, sie aus dem Zusammenhang reißen, damit sie sich als "Aussagen" zu erkennen gaben, als Zeichen-Ereignisse, die eben weder die Dinge sind, die *darin* geäußert werden, noch die Menschen, die sie äußern.
Der Web-Autor, neinnein, der Web-Schreiber, nein, der Web-Sprecher, nein, der web-Mensch, neinnein, also was nun, der/die Webbie halt, oder Webberer, Weber?
Der Weber also spielt mit Aussagen, mit statement-events, mit "wirklich geäußerten Zeichen", die allerdings den Körper gelöscht haben und nur gelegentlich zitathaft wieder einführen, damit die Aussage die Materiehaftigkeit bekommt, die sie braucht.
Ein Spiel mit Geschichte auch. Eine Aussage wird hingestellt, hingemurmelt, eine andere gesellt sich dazu, seltsame Patterns und Figuren deuten sich an, lösen sich auf, verstärken sich wieder, bis die Strukturen unübersehbar werden, und dann fängt man besser was Neues an.
Andere Aussage-Spielfelder, außerhalb des Web: Das seltsame Folk-America, das Greil Marcus beschreibt, in dem seltsame Zeilen und seltsame Songs und seltsame Stimmen herumspuken. Und was mit ihnen passiert, wenn sie ins neu gebildete Schallplatten-Web geraten. (Vermutlich auch mit Popmusik-Aussagefeldern spielbar, R'n'B in den 50ern, Beat in den 60ern, schon auch Post-Punk in den End-70ern.)
Der dialektisch-paradoxe Charakter der Aussage: Zugleich einzigartig-materiell und wiederholbar-strukturell zu sein. Jede Hier&Jetzt-Aussage mit ihrem ganz besonderen Körper hat zugleich ein Phantom von sich dabei, wie ein Schatten, und diese Aussage-Schattenfigur kann abgelöst werden und sich neue Körper suchen. Die dann wiederum einerseits diesen Schatten werfen und andererseits einen zweiten, eigenen, der wiederum abgelöst, usw.
Abstrakter und "geschriebener" als das körperlich Gesagte. Und gesagter/körperhafter/hier&jetztiger als der papier-geschriebene text.
Foucault musste ja noch den gesprochenen Worten und den geschriebenen Sätzen Gewalt antun, sie aus dem Zusammenhang reißen, damit sie sich als "Aussagen" zu erkennen gaben, als Zeichen-Ereignisse, die eben weder die Dinge sind, die *darin* geäußert werden, noch die Menschen, die sie äußern.
Der Web-
Der Weber also spielt mit Aussagen, mit statement-events, mit "wirklich geäußerten Zeichen", die allerdings den Körper gelöscht haben und nur gelegentlich zitathaft wieder einführen, damit die Aussage die Materiehaftigkeit bekommt, die sie braucht.
Ein Spiel mit Geschichte auch. Eine Aussage wird hingestellt, hingemurmelt, eine andere gesellt sich dazu, seltsame Patterns und Figuren deuten sich an, lösen sich auf, verstärken sich wieder, bis die Strukturen unübersehbar werden, und dann fängt man besser was Neues an.
Andere Aussage-Spielfelder, außerhalb des Web: Das seltsame Folk-America, das Greil Marcus beschreibt, in dem seltsame Zeilen und seltsame Songs und seltsame Stimmen herumspuken. Und was mit ihnen passiert, wenn sie ins neu gebildete Schallplatten-Web geraten. (Vermutlich auch mit Popmusik-Aussagefeldern spielbar, R'n'B in den 50ern, Beat in den 60ern, schon auch Post-Punk in den End-70ern.)
Der dialektisch-paradoxe Charakter der Aussage: Zugleich einzigartig-materiell und wiederholbar-strukturell zu sein. Jede Hier&Jetzt-Aussage mit ihrem ganz besonderen Körper hat zugleich ein Phantom von sich dabei, wie ein Schatten, und diese Aussage-Schattenfigur kann abgelöst werden und sich neue Körper suchen. Die dann wiederum einerseits diesen Schatten werfen und andererseits einen zweiten, eigenen, der wiederum abgelöst, usw.
jurijmlotman - am Sonntag, 20. Mai 2007, 01:17 - Rubrik: Theorie oder Wahnsinn (ist eh dasselbe)
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